Der Tigerschnegel

Der Tigerschnegel (lateinischer Name Limax Maximus), und im englischen als „Leopard Slug“ bekannt, da sein Muster durchaus an ein Leopardenfell erinnert. Der Tigerschnegel oder auch Großer Schnegel ist eine 10 bis 20 Zentimeter lange Nacktschnecke, welche der Schnegelfamilie angehört.

Der mittlerweile in ganz Europa verbreitete Schnegel ist vermutlich aus Süd- und Westeuropa und hat sich in unsere Breitengeraden weiter ausgebreitet. So manch einer hat ihn schon in seinen Garten gesehen, aber den meisten bleibt der Anblick eines Tigerschnegels verwehrt. Zum einem, weil der heimische Garten heutzutage nicht mehr die Versteckmöglichkeiten für einen Schnegel bietet und zum anderen wegen seiner ausgeprägten Nachtaktivität. Der Tigerschnegel versteckt sich tagsüber und kommt erst zur Dämmerung und Dunkelheit heraus.

Es gibt viele Berichte, welche den Tigerschnegel als geheime Wunderwaffe gegen die spanische Wegschnecke sehen und die quasi Killerattacken beobachtet haben. Andere beschreiben den Hype als vollkommen übertrieben. In einem sind sich aber alle relativ einig. Der Tigerschnegel ist kein Schädling, der sich an eueren Pflanzen vergreift. Der Schnegel ist ein absolut schützenswertes Tier, welcher leider immer wieder mit seinem Verwandten der Nacktschnecke gleichgesetzt wird.

Ob ich den Tigerschnegel als Nacktschneckenkiller oder als überbewerteter Nützling sehe, könnt ihr am Ende des Artikels erfahren.

Wie unterscheide ich einen Schnegel von einer Nacktschnecke?

Im Prinzip gibt es 2 wichtige Kriterien, mit denen du einen Schnegel (egal ob Tigerschnegel oder andere Schnegel) von normalen Wegschnecken (spanischen Wegschnecke / Gartenwegschnecke) unterscheiden kannst. Was ja nicht ganz unwichtig ist, da der Tigerschnegel ja auch durchaus mal ohne Musterung daherkommen kann.

 

1. Schnegel haben einen Rückenkiel. Der Kiel beginnt an der Schwanzspitze zeigt sich als Kante entlang der Rückenlinie. Im englischen werden die Schnegel daher auch „keel back slugs“ und die Wegschnecken als „round back slugs“ bezeichnet. Insbesondere das abgerundete Ende einer Wegschnecke erkennt man sehr schnell.

2. Das Atemloch. Jeder Schnegel und jede Nacktschnecke haben im Mantelschild ein seltsam anmutendes Loch, das sogenannte Atemloch. Betrachtet man die Schnegel von der Seite, dann sieht man, dass sich dieses Loch bei den Schnegeln in der hinteren Hälfte und bei den Nacktschnecken in der vorderen Hälfte des Mantelschildes befindet.

Vorsicht: Die Ackerschnecke / genetzte Ackerschnecke hat auch einen Kiel und das Atemloch im hinteren Bereich.

Tigerschnegel mit Atemloch hinten und Kiel

Merkmale

Wie auch beim Menschen gibt es beim Tigerschnegel größere und kleinere Exemplare, die in der Regel zwischen 10 und 20cm schwanken. Wie sein deutscher und englischer Name schon verrät weist der Schnegel eine Musterung auf, die an einen Tiger bzw. an einen Leoparden erinnert. Meistens ist diese Musterung auf hellgelbem Grund und beginnt auf dem sogenannten Mantelschild und führt dieses Muster auf dem Körper in einer langgezogenen Form fort.

Jedoch ist der Tigerschnegel nicht immer getigert. Er kommt auch in anderen Formen wie in einer musterlosen, einfarbigen hellen oder sehr dunklen Variante vor.

Wie alle Schnegel ist auch der Tigerschnegel ein Zwitter und hat damit sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane eines Schnegels.

Tigerschnegel mit Atemloch hinten und Kiel

Wegschnecke mit Atemloch vorne und ohne Kiel

Genetzte Ackerschnecke Deroceras reticulatum

By H. KrispOwn work, CC BY 3.0, Link 

Lebensweise

Tigerschnegel sind rein nachtaktive Tiere und verstecken sich tagsüber unter Stein- oder Holzhaufen. Auch der Kompost, lose Äste am Boden oder Laub wird gerne angenommen. Auf seinen nächtlichen Streifzügen ernährt der Tigerschnegel sich i.d.R. von Pilzen, Flechten, abgestorbenen Pflanzenteilen, Aas und natürlich auch räuberisch von anderen Nacktschnecken, deren Eiern und Jungtieren.

Greifen Tigerschnegel andere Nacktschnecken an? Und wieso?

Eine Erklärung dafür ist eigentlich recht einfach. Damit Tigerschnegel die Geschlechtsreife erreichen und sich so Fortpflanzen können, benötigen sie eiweißreiche Nahrung. Daher bekommen Tigerschnegel in der Terrariumaufzucht u.a. auch Katzenfutter als Eiweißlieferant.

Daher wundert es nicht, dass der Tigerschnegel immer wieder beim Anknabbern von Nacktschnecken gesichtet wird. Einzelne Berichte, wo der Tigerschnegel Nacktschnecken überwältigt und frisst, die so groß sind wie er selbst, halte ich für etwas übertrieben. Allein der Magen des Tigerschnegels sollte Probleme haben diese Portion auf einmal zu verdauen.

Dennoch greifen Tigerschnegel andere Nacktschnecken an und verhalten sich gleichermaßen recht sozial gegenüber ihren Artgenossen. Selbst in einem ausreichend großen Terrarium kommt es gegenüber den eigenen Jungtieren bei genügend anderer Nahrung nur selten Kannibalismus. Und so lässt sich auch oft beobachten, dass Tigerschnegel gemeinsam unter dem gleichen Holzstück im Garten liegen.

Es wurde geforscht und bewiesen.

Allen gegenteiligen Diskussionen zu trotz wurde 2009 in einer norwegischen Untersuchung von Ørmen, T., Winter, B. und Bøckman, P. mit dem englischen Namen „An experimental study of territorial and predation behaviour in the grey slug Limax maximus“ noch mal bewiesen, dass Tigerschnegel ein ausgeprägtes aggressives Verhalten gegenüber der spanischen Wegschnecke und anderen Nacktschnecken aufweisen und dabei sogar Gehäuseschnecken wie zum Beispiel die Weinbergschnecke in Ruhe lassen.

Paarung

Tigerschnegel benötigen als Zwitter nicht besonders viel. Sobald diese die Geschlechtsreife erreicht haben und sich zwei Tigerschnegel in der Paarungszeit treffen, dann beginnen diese sich evtl. zu verfolgen bis sie zu einem geeigneten Platz für die Paarung kommen, dann verfolgen diese sich im Kreis weiter und seilen sich irgendwann gemeinsamen, eng umschlungen an einem Schleimfaden ab und paaren sich in der Luft.

Dabei gibt jeder Tigerschnegel sein Sperma an den anderen ab. Nach der Paarung kriechen diese den knapp 20-40cm langen Schleimfaden wieder herauf oder einer von den beiden lässt sich auf den Boden fallen.  

In der Regel legen die Tigerschnegel zwei Mal in ihrem Leben Eier ab. Nach der Paarung legen diese das erste Mal im Juli/August Eier ab und das zweite Mal im Juni/Juli des darauffolgenden Jahres.

Dabei werden jedes Mal 2-3 Gelege mit insgesamt 100-300 Eier abgelegt. Die Eier sind ca. 4mm groß, rund und durchsichtig. Nach 3-4 Wochen schlüpfen die Jungtiere in der Regel aus den Eiern.

Von T.HiddessenEigenes Werk, CC BY 3.0, Link

Paarung

Tigerschnegel benötigen als Zwitter nicht besonders viel. Sobald diese die Geschlechtsreife erreicht haben und sich zwei Tigerschnegel in der Paarungszeit treffen, dann beginnen diese sich evtl. zu verfolgen bis sie zu einem geeigneten Platz für die Paarung kommen, dann verfolgen diese sich im Kreis weiter und seilen sich irgendwann gemeinsamen, eng umschlungen an einem Schleimfaden ab und paaren sich in der Luft.

Dabei gibt jeder Tigerschnegel sein Sperma an den anderen ab. Nach der Paarung kriechen diese den knapp 20-40cm langen Schleimfaden wieder herauf oder einer von den beiden lässt sich auf den Boden fallen.  

In der Regel legen die Tigerschnegel zwei Mal in ihrem Leben Eier ab. Nach der Paarung legen diese das erste Mal im Juli/August Eier ab und das zweite Mal im Juni/Juli des darauffolgenden Jahres.

Dabei werden jedes Mal 2-3 Gelege mit insgesamt 100-300 Eier abgelegt. Die Eier sind ca. 4mm groß, rund und durchsichtig. Nach 3-4 Wochen schlüpfen die Jungtiere in der Regel aus den Eiern.

Von T.HiddessenEigenes Werk, CC BY 3.0, Link

Von LokilechEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Lebensraum schaffen

Damit sich ein Tigerschnegel so richtig wohlfühlt braucht es nicht viel. Du kannst deinen Garten mit wenigen Handgriffen schneckenfreundlich gestalten und dabei auch noch die Nacktschnecken bekämpfen. Wieso? Der Tigerschnegel und die Nacktschnecken in deinen Garten mögen die gleichen Rückzugsorte. Sie mögen feuchte und dunkle Verstecke, in denen sie sich tagsüber verstecken und ausbreiten können. Wenn du diese Verstecke regelmäßig kontrollierst, dann kannst du an den Stellen die Nacktschnecken immer wieder mal absammeln und so helfen die Nacktschnecken zu reduzieren.

Lege in deinen Garten, ggfs. in der Nähe deiner zu schützenden Bereiche, ein paar Verstecke für die Tigerschnegel an. Verstecke können bereits vorhandene Komposthaufen, ein Holzstapel, ein Stein-, ein Ast- und Laubhaufen sein. Du kannst Kaminholz, Dachziegel, kaputte Blumentöpfe und Terrassensteine nehmen und diese an beschatteten Plätzen verteilen. Gerne kannst du diese Stellen bei einer längeren Trockenperiode auch mal vorsichtig bewässern. Sträucher und Bäume sorgen nebenbei für eine Beschattung am Tag.

Sobald es Winter wird und die Temperaturen sinken hast auf diese Weise gleichzeitig genügend Möglichkeiten geschaffen, an denen die Schnegel bis zum Frühjahr in Winterstarre gehen können.

Tigerschnegel anlocken statt ansiedeln

Natürlich kann man auch Tigerschnegel anlocken, statt welche zu kaufen. Ggfs. dauert es jedoch etwas länger bis die ersten Exemplare in deinen Garten kommen. Auf jeden Fall solltest du dafür deinen Garten wie oben beschrieben herrichten und Verstecke für die Schnegel schaffen. Bitte in diesen Fall bitte unbedingt die Nacktschnecken absammeln. Ansonsten baust du ein kleines Paradies für Nacktschnecken in deinen Garten auf und hast noch keine Tigerschnegel zur Regulierung angesiedelt. Und das wollen wir ja nicht!

Biete den Tigerschnegel aus der Nachbarschaft evtl. ein paar Leckereien wie Champignons an. Aber auch da bitte die zusätzlich angelockten Nacktschnecken absammeln.

Im Terrarium halten

Tigerschnegel sind recht genügsame Tiere und können sehr gut in einem Terrarium bei Zimmertemperatur gehalten werden. Die Luftfeuchtigkeit sollte dabei so zwischen 70-90% liegen. Alle ein bis zwei Tage kannst du etwas Wasser mit einer Sprühflasche hineinspritzen. Vermeide dabei aber unbedingt zu viel Nässe. Ich habe schon Terrarien gesehen, wo das Wasser nur so rausgelaufen ist. Also vorsichtig mit dem Bewässern. Als Untergrund kannst du zur Not etwas Gartenerde nehmen, besser wäre jedoch ungedüngte und unbelastete Terrarien-/ Anzuchterde darauf Moos, Rindenmulch und Laub verteilen. Auf keinen Fall bitte normale gedüngte Blumenerde benutzen. Ein Stück Kaminholz, ein alter kaputter Blumentopf, ein Stein zum Verstecken, ein paar Äste zum Klettern noch rein und fertig ist die Traumunterkunft.

Bei einer guten Belüftung und einer Ernährung mit ggfs. Nudeln, Möhren, Kartoffeln, reifen Gurken, Tomaten, Pilzen und Katzenfutter wirst du sicherlich sehr viel Spannendes zu sehen bekommen.

Fazit

Meine persönliche Meinung

„Was soll man sagen. Wer hätte gedacht, dass sich Schnegel in der Luft paaren. Ein beeindruckendes Tier der Tigerschnegel. Ich glaube das steht außer Frage.

Meine Meinung zum Tigerschnegel?! Er ist kein gnadenloser Killer, der sich auf jede Nacktschnecke stürzt, die an ihm vorbei kriecht. Es gibt auch Sichtungen, wo der Tigerschnegel sich an frischem Grün vergriffen hat. Dies wird wohl nur der Fall gewesen sein, weil der Tigerschnegel nichts anderes zu fressen gefunden hat. Bei uns ist es selbst im Terrarium nie dazu gekommen. Auch wenn der Tigerschnegel sich in seltenen Fällen auch mal was „Grünes“ gönnt, sollte dieser als Bereicherung in deinem Garten gesehen werden, mit dem du das Gleichgewicht zwischen Schädlingen wie die Nacktschnecke und Nützlingen wie dem Tigerschnegel wiederherstellst. Um ein Gleichgewicht herzustellen braucht es Zeit und nicht nur ein paar Tage. Also sollte man den Tigerschnegeln schon einen Sommer zeitgeben, um sich in deinem Garten einzuleben.

In Kombination mit ein paar anderen Maßnahmen ist der Tigerschnegel meiner Meinung nach sicherlich eine der besten und ökologisch schönsten Methoden die man einsetzen kann. „

– Dennis König